Verbreitung - Wolf in RLP

Wie viele wildlebende Wölfe gibt es in Deutschland?

Aktuell sind bundesweit 26 Wolfsrudel bzw. -paare und 3 sesshafte Einzeltiere bekannt: 10 in Sachsen, 1 zwischen Sachsen und Brandenburg, 7 in Brandenburg, 4 in Sachsen-Anhalt, 3 in Niedersachsen und ein Wolfspaar in Mecklenburg-Vorpommern (Stand Januar 2014). Die Einzeltiere halten sich in Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern auf (siehe auch Karte bei Verbreitung). Die Anzahl der in den Rudeln lebenden Wölfe schwankt zwischen 5 und 10 Wölfen. Jahreszeitliche Schwankungen bestehen durch Nachwuchs, Abwanderung der Jährlinge und Mortalität.

In welchen Bundesländern wurden noch Wölfe gesichtet?

Seit der Jahrtausendwende konnten in Rheinland-Pfalz, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfahlen Wölfe nachgewiesen werden. In den beiden erstgenannten Bundesländern wurden sie geschossen, in den anderen waren sie auf „Durchreise“.

Siedelt sich der Wolf in Rheinland-Pfalz an?

Unter Experten gilt es als unstrittig, dass Wölfe auch bald wieder in Rheinland-Pfalz angetroffen werden könnten. Auch wenn bisher keine erneuten Sichtungen des Wolfes seit 2012 vorliegen, könnten die waldreichen Mittelgebirge und Hügelländer unseres Bundeslandes potentiellen Lebensraum darstellen.

Wo leben Wölfe noch in Europa?

Der Wolf kommt außer in Belgien, Niederlanden und Luxemburg in jedem Staat auf dem europäischen Festland vor (Stand: April 2013).

Woher sind die deutschen Wölfe eingewandert?

Die Wölfe in den nörd- und östlichen Bundesländern stammen von eingewanderten Tieren aus Ostpolen. Die Tiere der südlichen Bundesländer inkl. Abschüsse stammen aus den Alpen und der Italienischen Population. Eine Zuwanderung über die Schweiz, Jura und Vogesen ist nach Rheinland-Pfalz möglich.

Wo können Wölfe leben?

Wölfe können in sehr unterschiedlichen Landschaften leben, wichtig ist eine gewisse Heterogenität und Unzerschnittenheit. Nach einer Studie des Bundesamtes für Naturschutz (Skript 201/2007) gibt es außer in Hamburg, Berlin und Bremen in jedem Bundesland wolfsgeeignete Regionen. D.h. im Umkehrschluss allerdings nicht, dass Wölfe in allen Regionen Deutschlands leben können. Die dichte Besiedlung, Zerschneidung der Landschaft und nicht zuletzt der limitierende Faktor der Nahrung haben eine bedeutende Auswirkung.

Warum kommen Wölfe zurück?

Wölfe wandern über weite Distanzen (bis zu 500 km, in Ausnahmen auch 1.000 bis 1.500 km), um neue Reviere zu erschließen. Zudem stehen Wölfe unter Schutz und werden nicht oder nur noch sehr selten geschossen.

Warum wurden Wölfe ausgerottet?

Aufgrund einer starken Bejagung von Wildtieren v.a. im 19. Jahrhundert und damit verbundenen Abnahme der Wildtierdichte suchte sich der Wolf zunehmend Alternativen im Bereich der Nutztiere. Der Verlust von wenigen Haustieren konnte Existenzen bedrohen. Daher wurde der Wolf stark bejagt und ausgerottet.

Werden sich die Wölfe weiter ausbreiten?

Auf Grund der Ausbreitungs- und Anpassungsfähigkeit des Wolfes ist damit zu rechnen, dass Wölfe sich in geeigneten Lebensräumen ansiedeln und Rudel bilden. In Deutschland sind aktuell mehrere Gebiete mit Wolfshin- oder nachweisen bekannt. Siehe auch Karten unter Verbreitung des Wolfes.

Der Wolf benötigt ausreichend große Wildbestände und Ruheplätze in seinem Revier. Auch in einer Kulturlandschaft kann sich der Wolf anpassen – ausschlaggebend ist hier meistens die Einstellung der Bevölkerung vor Ort und nicht die ökologische Bedeutung des Lebensraums.

Biologie & Verhalten

Wovon ernährt sich der Wolf?

Zu über 90 Prozent von Reh, Wildschwein und Rothirsch. Das haben Untersuchungen des Senckenberg Museums für Naturkunde (Görlitz) an über 2.000 Kotproben der deutschen Wölfe ergeben. In den restlichen 10 Prozent verstecken sich Damhirsch, Muffelschaf, Hase, kleine und mittelgroße Säuger und Nutztiere.

Gibt es für Wölfe in Deutschland ausreichend Nahrung in der freien Natur?

Ja. Die Jahreswildstrecken, also die Menge der von Jägern geschossenen Wildtiere, steigt seit Beginn der Zählung vor etwa 80 Jahren an. Nehmen in einer Region die Beutetiere des Wolfes ab, so vergrößern Wölfe ihr Revier, um trotzdem ausreichend Beute zur Verfügung zu haben. Eine geringere Wilddichte bedeutet auch eine geringere Wolfsdichte.

Sind Wölfe Einzelgänger?

Üblicherweise leben Wölfe im Rudel. Junge, erwachsene Wölfe sind alleine auf Wanderschaft. Ernähren können sie sich sehr gut, da das Reh als Hauptbeute für einen einzelnen Wolf gut zu erlegen ist.

Können sich Hunde und Wölfe verpaaren?

Ja, es ist biologisch möglich. Für Wölfe ist dies jedoch nur in extremer Notlage der Fall. Das heißt, wenn in der Paarungszeit nur Wölfe anderen Geschlechts verfügbar sind, die direkt verwandt sind. Wölfe haben eine Inzestsperre. Ein solcher Fall ist 2003 in Deutschland einmal vorgekommen. Die Mischlinge wurden umgehend eingefangen, da man aus Artenschutzgründen keine Hundegene in der Wolfspopulation haben möchte.

Eine staatliche Regelung für Rheinland-Pfalz wird erarbeitet.

Tierhaltung

Warum greifen Wölfe Haustiere/ Nutztiere an?

Wölfe können nicht zwischen wildlebenden und domestizierten Huftieren unterscheiden. Treffen sie  bei ihren Streifzügen auf unzureichend geschützte Nutztiere, zum Beispiel eine Schafherde, ergreifen sie meist ihre Chance auf diese ungewöhnlich leicht zu überwältigende Beute. Durch Schutzmaßnahmen lassen sich Schäden an Nutztierbeständen minimieren. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es allerdings nicht.

Größere und wehrhaftere Tiere wie Kühe und Pferde werden fast nie angegriffen.

Töten Wölfe bei Übergriffen auf Nutztierherden mehr Tiere als sie fressen können?

Als Hetzjäger und Opportunist reißt der Wolf bei jeder günstigen Gelegenheit und es kann vorkommen, dass er mehr Nutztiere tötet, als er fressen kann. Da in freier Wildbahn Jagderfolge oft ausbleiben, die Jagd sehr aufwendig ist und Wölfe über länge Zeit hungern müssen, ist dieses Verhalten sinnvoll. Dies führt u.a. auch dazu, dass Wölfe häufig mehr Haustiere (z.B. eingezäunte Schafe) reißt, als er fressen kann, um sich einen Vorrat anzulegen. In der Natur kommt es kaum dazu, da die Beutetiere im Gegensatz zu den eingezäunten Schafen fliehen.

Wie verhindert man, dass Wölfe an Nutztiere gelangen?

Der Standardschutz besteht aus einem Elektronetzzaun. Wölfe versuchen, ein Hindernis stets zu untergraben. So macht ein Wolf die schmerzhafte Erfahrung, dass es schwer ist, an ein Schaf zu kommen.

Es gelten folgende Vorgaben zum Mindestschutz in einem ausgewiesenen Präventionsgebiet:

  • Elektronetzzäune oder Fünf-Litzenzäune mit mindestens 90 cm Höhe und durchgehende Spannung von mindestens 2500 V
  • oder Drahtgeflechtzäune von mindestens 140 cm Höhe
  • Gräben und Bachläufe müssen abgekoppelt sein
  • Zäune müssen geschlossen sein und regelmäßig kontrolliert und gewartet werden
  • Zäune müssen dicht am Boden abschließen und mit einem Unterwühlschutz in Form einer stromführenden Bodenlitze oder eines Spanndrahtes versehen sein

Weitere Informationen zu den Schutzmaßnahmen finden Sie hier.

Gibt es Schadensersatzansprüche des Tierhalters bei Nutztierschäden durch den Wolf?

Grundsätzlich werden alle nachweislichen Wolfsrisse, in Rheinland-Pfalz, entschädigt. Innerhalb eines ausgewiesenen Präventionsgebietes ist nach einer einjährigen Übergangsfrist der Mindestschutz Voraussetzung für eine volle Entschädigung.

Angaben zum Schadensausgleich können Sie hier entnehmen.

Gibt es für die präventiven Maßnahmen eine Unterstützung vom Land?

Die Förderung geeigneter Schutzmaßnahmen innerhalb der Präventionsgebiete kann hier, bei der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz, beantragt werden. Die Unterstützung erfolgt über eine Anteilsfinanzierung der förderfähigen Kosten zum Erwerb von geeigneten Zaunmaterialien oder Herdenschutzhunden. Es können bis zu 90 % der anfallenden förderfähigen Kosten erstattet werden (unter Berücksichtigung der De-minimis Verordnung 1407/2013 und 1408/2013 der Europäischen Union).

Was muss ich beachten, wenn ich mit meinem Hund durch ein Wolfsrevier laufe?

Der Hund sollte stets angeleint sein und sich nah beim Menschen aufhalten. Wölfe können Hunde als Eindringlinge in ihr Revier verstehen. Sie können ihn stellen und vertreiben wollen. Missversteht der Hund die Signale des Wolfes, wird er sein Revier verteidigen. Bleibt der Hund beim Menschen, erkennt der Wolf, dass es sich um keine Revierstreitigkeit handelt.

Wolf & Mensch

Sind Wölfe für Menschen gefährlich?

Grundsätzlich ist die Angst vor Wölfen nicht begründet. Zum einen gehört der Mensch nicht in das Beuteschema des Wolfs, zum anderen ist er von Natur aus scheu und meidet den Menschen. Einen Wolf zu Gesicht zu bekommen ist eine sehr seltene und besondere Begegnung. Aggressiv reagiert der Wolf nur bei Tollwut oder Provokation. Da Deutschland seit 2008 tollwutfrei ist, kann die Sorge auch diesbezüglich gemildert werden. Man sollte allerdings wissen, dass sich der Wolf aufgrund seiner Intelligenz an seine Umgebung anpassen und an den Menschen gewöhnen kann. Daher sollte man ihn nicht füttern, um eine Habituierung zu vermeiden.

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich einem Wolf begegne?

Wölfe sind Wildtiere und sollten auch so behandelt werden. Aufgrund ihrer besonders guten Sinne bemerken sie den Menschen frühzeitig und suchen das Weite. Sollten Sie dennoch mal einem Wolf begegnen, versuchen Sie diesen seltenen Moment zu genießen; wenn Sie sich unwohl fühlen, richten Sie sich auf, machen Sie sich „groß“, rufen Sie laut und gehen auf Distanz. Allgemein gelten folgende Verhaltensregeln:

  • ruhig verhalten und stehen bleiben
  • nicht auf den Wolf zugehen
  • Um den Abstand zu vergrößern können Sie sich langsam zurückziehen.
  • Im Normalfall zieht sich der Wolf von selbst zurück, falls nicht machen Sie sich durch, z.B. Rufe, starkes Gestikulieren und Klatschen, bemerkbar.
  • Hundehalter sollten in Wolfsgebieten ihren Hund an der Leine halten. Bei einem Zusammentreffen mit dem Wolf die Leine möglichst kurz halten.
  • Wenn Sie einen Wolf gesehen haben, bitte melden Sie die Sichtung mit möglichst genauer Ortsangabe.
  • Für Jogger, Pilzesammler, Kletterer, Mountain-Biker gilt dasselbe!
Unterliegt der Wolf dem Jagdrecht?

Der Wolf gilt nicht als jagdbares Wild im Sinne des Jagdgesetzes. Er ist damit weder jagdbar, – außer in evtl. notwendigen Ausnahmesituationen – noch unterliegt er einer besonderen Hegeverpflichtung durch Jäger und Grundeigentümer wie andere Wildarten. Auch vom Landesjagdverband wird derzeit eine Änderung dieser Rechtsgrundlage nicht angestrebt.

Der vorsätzliche, wie auch der versehentliche Abschuss gilt somit als Straftat und kann mit einer Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe belangt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit auf Entzug des Jagdscheins oder ein Jagdverbot.

Welchen gesetzlichen Schutz hat der Wolf in Deutschland/Rheinland-Pfalz?

Der Wolf ist durch die FFH-Richtlinie nach Art. 12 Abs. 1 durch die Europäische Union als streng geschützt eingestuft (Anhang IV). Diese europarechtliche Vorgabe wird durch das Bundesnaturschutzgesetzt in folgenden §§ umgesetzt: §7 Abs. 2 Nr. 13 a (besonders geschützt) und Nr. 14a und b (streng geschützt) in Verbindung mit den Verboten aus §44 Abs. 1-3 BNatschG (Nachstellen, Fangen, Verletzen oder Töten von Wölfen verboten).

Seit 1990 unterliegt der Wolf als FFH-Art dem höchstmöglichen Schutz des BNatschG und wurde aus dem Jagdrecht (auch Landesjagdgesetz) gestrichen.

Der vorsätzliche, wie auch der versehentliche Abschuss gilt somit als Straftat und kann mit einer Geldstrafe oder sogar eine Freiheitsstrafe belangt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit auf Entzug des Jagdscheins oder ein Jagdverbot.

In Gebieten, in denen mit Wölfen gerechnet werden kann, sollte daher auch auf den Abschuss von wildernden wolfsähnlichen Hunden verzichtet werden, denn bei diesen könnte es sich um Hybride handeln, die ebenfalls nicht geschossen werden dürfen.

Darf/soll der Wolf gefüttert werden?

Der Wolf hat eine natürliche Scheu vor dem Menschen. Wird der Wolf allerdings vom Menschen gefüttert, verbindet er diesen immer mehr mit einer Futterquelle und verliert seine Scheu. Bleibt das Futterangebot dann von den Menschen aus, kann der Wolf mitunter dreistes Verhalten entwickeln und auch gefährlich werden. Unterlassen Sie deshalb das Füttern von Wölfen.

Sind Waldbesucher durch Wölfe gefährdet?

Nein. Die Gefahren sind extrem gering. In Deutschland hat es seit der Rückkehr der Wölfe im Jahr 2000 nicht eine Situation gegeben, in der sich ein Wolf einem Menschen aggressiv genähert hat.

Wie erkenne ich, ob ein Wolf in der Region ist?

Fast immer werden Wölfe durch wiederholte Beobachtungen und Spurenfunde durch Jäger oder Naturschützer nachgewiesen und die Öffentlichkeit wird informiert. Informieren Sie sich auf unserer aktuellen Verbreitungskarte.

Welche Ziele verfolgt der Managementplan für den Umgang mit Wölfen?

Der Managementplan soll Handlungsabläufe regeln, Ansprechpartner benennen und Maßnahmen erläutern, die im Konflikt- oder Schadensfall ergriffen werden können. Bekannte Risiken bezüglich des Wolfs bei der Haltung von Tieren oder der Ausübung der Jagd sollen aufgezeigt und minimiert werden.

Den vollständigen Managementplan mit allen Informationen können Sie unter Downloads herunterladen.

Weitere Antworten liefert der Managementplan für den Umgang mit Wölfen in Rheinland-Pfalz, welcher unter Downloads zu finden ist.